Interview mit der Nachhaltigen Schülerfirma "Papiershop"

Die Schülerfirma „Papiershop“ verkauft an vier Tagen in der Woche an ihrer Schule umweltfreundliche Schulmaterialien sowie Briefpapier, Holzspiele und Puzzles. Damit engagieren sie sich auch für ein stärkeres Nachhaltigkeits- und Umweltbewusstsein. Neben der organisatorischen Arbeit in der Schülerfirma informieren sich die Schülerinnen und Schüler außerhalb der Öffnungszeiten unter anderem über die Herstellung von Papier, verschiedene Umweltsiegel oder über Alternativen zu Plastikverpackungen. Der NaSch-Community-Redaktion standen die Schülerinnen und Schüler zu ihren Erfahrungen und ihren Wünschen Rede und Antwort. Darin berichten sie auch darüber, was für sie Nachhaltigkeit bedeutet.

„Papiershop“ ist eine seit zehn Jahren bestehende Schülerfirma, die aus dem Religionsunterricht einer 5. Klasse hervorgegangen ist. Der heutigen Schülerfirma gehören sechzehn Schülerinnen und Schüler aus drei Klassen des gemeinsamen Unterrichts an. Dabei arbeiten Förder- und Regelschüler zusammen.

Wie seid ihr auf die Idee für eure NaSch gekommen?

Unsere Schülerfirma gibt es schon seit zehn Jahren. Die Klasse 5d bearbeitete damals im Religionsunterricht das Thema „Schöpfung bewahren“. Am Ende der Unterrichtseinheit meinten die Schüler, dass es wenig nütze, nur darüber zu reden. Vielmehr müsse man auch etwas tun. Getreu nach dem Motto des Namensgebers unserer Schule, Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ suchten sie nach Möglichkeiten, einen Beitrag zum Umweltschutz in unserer Schule zu leisten. So entwickelten sie die Idee zum Verkauf umweltfreundlicher Schulmaterialien in den Pausen. Unterstützt wurden sie dabei von Frau Büscher und Frau Stichmann.

Wie sahen die Anfänge in eurer Schülerfirma aus?

Der "Papiershop" hat ganz klein angefangen. Zuerst haben wir nur Hefte, dann auch Schnellhefter aus 100 Prozent Altpapier verkauft. Nach und nach haben wir unser Sortiment erweitert. Heute verkaufen wir auch Kugelschreiber, Bleistifte, Geodreiecke, Radiergummis, Anspitzer und und und. Aber auch Briefpapier, kleine Spiele oder  Motivblöcke gehören heute zu unserem Sortiment. Die Schüler, die den "Papiershop" vor zehn Jahren gegründet haben, haben die Schule natürlich längst verlassen. Ihre Arbeit wird mit immer wieder neuen Schülerteams fortgeführt – bis zur Gegenwart begleitet von Frau Büscher und Frau Stichmann.

Und wie ist es heute?

Aktuell arbeiten 16 Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen fünf bis zehn im „Papiershop“ mit. Die meisten stammen aus Klassen des Gemeinsamen Unterrichts. Förder- und Regelschüler arbeiten dabei zusammen.

Wie setzt ihr Nachhaltigkeit in eurer NaSch um?

Da sind wir sehr genau! Wir verkaufen ausschließlich umweltfreundliche Materialien mit entsprechenden Umweltsiegeln. Produkte aus Papier haben natürlich den „Blauen Engel“ – sind also aus 100 Prozent Altpapier. Holzprodukte tragen das FSC-Siegel. Unsere Geodreiecke sind aus Recycling-Kunststoff. Unsere EKG-Taschen sind GOTS-zertifziert und haben das TransFair-Siegel.
Wir arbeiten auch nicht gewinnorientiert - im Gegenteil. Wir verkaufen unsere Artikel so günstig wie möglich. Damit wollen wir zeigen, dass man Umweltschutz auch im Kleinen mit wenig Geld praktizieren kann.

Was war bisher die größte Herausforderung bzw. das größte Problem, das ihr lösen musstet?

Das ist schwer zu beantworten. In unserer Arbeit stehen wir eigentlich täglich vor vielen kleinen Herausforderungen. Da wir aus verschiedenen Klassen kommen, haben wir keine gemeinsame Unterrichtsstunde im Stundenplan, sondern müssen uns immer irgendwie „zwischendurch“ absprechen. Das ist ziemlich schwierig. Die Zeit in den Pausen ist viel zu kurz dafür. Besonders die jährliche Inventur und Entscheidungen über neue Warenbestellungen sind echt schwer gemeinsam hinzukriegen. Auch das „Taschen packen“ für unsere alljährliche Sonderverkaufsaktion ist so manchmal mühsam. Unser Hauptproblem ist also die fehlende gemeinsame Zeit – leider haben wir dafür noch keine Lösung gefunden.
Ein anderes Problem haben wir aber inzwischen gelöst: Seit einem Jahr haben wir nämlich endlich einen festen Verkaufsstand. In den Jahren vorher mussten wir zu Beginn der Pausen unsere Verkaufsartikel jedes Mal aus verschiedenen Klassenschränken holen und Tische aus den Klassenräumen heranranschleppen (und nachher wieder zurück), weil im Schulflur aus Brandschutzgründen nicht dauerhaft Holzmöbel stehen dürfen. Da war dann die halbe Pause schon rum, bevor wir endlich mit dem Verkaufen anfangen konnten. Nun haben wir endlich eine Verkaufstheke und zwei Lagerschränke aus Stahl.

Gibt es noch weitere Erfolgserlebnisse?

Seit etwa drei Jahren sind wir schuldenfrei. Vorher mussten wir uns für die Warenbeschaffungen immer Geld aus dem Schulbudget leihen und unsere Einnahmen dann direkt zum Zurückzahlen verwenden. Dann mussten wieder neue Waren her – und damit hatten wir natürlich sofort auch wieder neue Schulden. Inzwischen schaffen wir es, die Neubestellungen aus unseren Einnahmen zu finanzieren. Als wir das das erste Mal geschafft haben, haben wir erstmal ein „Schuldenfrei“-Fest gefeiert.

Was war bisher das lustigste Erlebnis?

Es gibt öfter was zu Lachen bei uns. Aber das lustigste Erlebnis war die Vorstellung unseres "Papiershops" am Tag der Offenen Tür vor zwei Jahren. Das Ganze ist immer so organisiert, dass nacheinander insgesamt acht Gruppen von rund 20 bis 25 Viertklässlern mit ihren Eltern zu unserem Verkaufsstand kommen, um sich zu informieren. Also mussten wir acht Mal hintereinander dasselbe sagen. Das wurde dann von Mal zu Mal witziger, denn spätestens nach dem dritten Mal verhaspelten wir uns dauernd bei so schwierigen Wörtern wie „recycelter Kunststoff“ oder „verantwortungsvolle Forstwirtschaft“. Damit ernteten wir große Lacherfolge bei den Eltern und deren Kindern, so dass wir bei den nächsten Runden immer schon im Voraus lachen mussten.

Wenn ihr drei Wünsche frei hättet, was würdet ihr euch für eure NaSch wünschen?

Erstens, dass nicht nur die Schülerinnen und Schüler unserer Schule, sondern auch andere Menschen bei uns in Bünde sich ernsthaft Gedanken über den Umweltschutz machen und nur noch Sachen mit Umweltsiegel kaufen. Zweitens, dass der "Papiershop" vielleicht auch mal beim Wochenmarkt einen Stand betreiben kann. Und dann wünschen wir uns, dass wir soviel Geld einnehmen, dass wir etwas übrig behalten, um es für ein Umweltprojekt zu spenden. Diesen Wunsch zu realisieren ist allerdings sehr schwierig, da wir unsere Produkte ja extra so billig verkaufen, damit wir viele Kunden überzeugen können.

Was habt ihr in eurer NaSch (dazu)gelernt?

Erstmal müssen wir natürlich die Preise unserer Produkte auswendig können und gut rechnen können. das können wir in unserer Schülerfirma regelmäßig trainieren. Dann haben wir natürlich viel über Umweltschutz gelernt. So zum Beispiel,dass man auf die Umweltsiegel achten muss. Wir haben auch schon mal selbst Papier aus Altpapier hergestellt und Umschläge aus alten Kalenderblättern. Außerdem haben wir noch gelernt, wie man als Team gut zusammenarbeitet. In Rollenspielen haben wir auch geübt, wie man mit Kunden umgeht. Wir sind da jetzt nicht mehr so schüchtern und gehen mehr auf die Leute zu. Das ist gar nicht so einfach.

Welche Erfahrung beziehungsweise welche Tipps könnt ihr Schülerfirmen geben, die sich zu einer Nasch weiterentwickeln möchten?

Man sollte sich am Anfang nicht zuviel vornehmen. Also auf jeden Fall erst einmal klein anfangen. Auch sollte man regelmäßig Werbung machen. Das ist wichtig, damit andere erfahren, dass es euch gibt. Schön gestaltete Plakate sind hier eine Idee. Genügend Zeit für die „Verwaltung“ einzuplanen, ist ebenfalls bedeutsam.  Aber vor allem sollten alle, die eine Schülerfirma gründen optimistisch und mutig sein und Spaß bei der Sache haben.

Was möchtet ihr beruflich einmal machen?

Die Berufswünsche sind ganz verschieden: Einige wollen Einzelhandelskauffrau, Tierärztin, Schauspielerin, Sportmediziner, Erzieherin, Gärtner oder Fernfahrer werden. Andere möchten in einem Umweltladen, im Bildungsbereich oder in der Landwirtschaft arbeiten. Ein paar wissen aber auch noch nicht, was sie später einmal machen möchten.

Bildergalerie

Kontakt

  • www.gesamtschule-buende.de
    Über diesen Link gelangen Sie zur offiziellen Seite der Gesamtschule Bünde und der Schülerfirma "Papiershop".

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