Interview mit der Nachhaltigen Schülerfirma „GENUSSWERK"

Das "GENUSSWERK" ist die Schülerfirma der Werkschule Hemelingen mit dem Schwerpunkt Gartenbau und Hauswirtschaft. Die Schülerfirma produziert in eigenem Anbau biologisch Obst und Gemüse. Diese dienen der Pausenverpflegung und werden im eigenen Hofladen verkauft. Das Besondere: Alle Schüler der Werkschule arbeiten an einem Tag in der Woche in der Schülerfirma. Für ihre Arbeit wurde die Schülerfirma bereits mehrfach ausgezeichnet. So unter anderem mit dem Bremer Bremer Schülerfirmen Award. Auch ihr Einfallsreichtum in Bezug auf die Präsentation ihrer Schülerfirma wurde bereits mehrfach gewürdigt. So zuletzt mit einer Auszeichnung als besonderer Messestand auf der Schülerfirmen-Messe.

Ziel der Schülerfirma „GENUSSWERK“ ist die Förderung der Selbständigkeit, Eigeninitiative sowie der Teamfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus sollen sie erste Einblicke in die Welt der wirtschaftlichen Zusammenhänge und ins Arbeitsleben erhalten. Diese bekommen sie vor allem durch die eigene praktische Arbeit indem sie Informationen einholen, Entscheidungen treffen sowie Verantwortung für sich und andere übernehmen.

Wie seid ihr auf die Idee für eure NaSch gekommen?

Die Werkschule Hemelingen mit dem Schwerpunkt Gartenbau und Hauswirtschaft gibt es seit 2oo9. Die Gründung der Schülerfirma war die Idee von Frau Kleine und der Ersten Werkschulklasse im gleichen Jahr. Sie haben die Schülerfirma ins Leben gerufen, in der alle Schülerinnen und Schüler an einem Tag in der Woche mitarbeiten.

Was ist das Besondere an eurer NaSch?

Unsere Schülerfirma besteht aus drei  Bereichen – dem Bereich Gartenbau,  dem Bereich Hauswirtschaft sowie dem Bereich Büro und Verwaltung. Die Abteilung Hauswirtschaft sorgt an zwei Tagen in der Woche mit für die Pausenverpflegung und bietet auch einen Catering-Service an. Darüber hinaus gibt es ein Lernrestaurant mit rund 25 Plätzen.

Und der Bereich Gartenbau?

Diese Abteilung unserer Nachhaltigen Schülerfirma baut auf dem Schulgelände und in einem Gewächshaus Obst, Gemüse und Zierpflanzen an. Diese werden dann in der Küche des Bereiches Hauswirtschaft verarbeitet oder in unserem Hofladen verkauft. Beim Verkauf unterscheiden wir zwischen Schülerpreisen und Lehrerpreisen.

Inwieweit ist die Arbeit in der Schülerfirma nachhaltig? Wie setzt ihr Nachhaltigkeit um?

Unsere Werkschule hat den Schwerpunkt Gartenbau und Hauswirtschaft. Da versteht es sich von selbst, dass wir unsere Produkte auch nach biologischen Kriterien anbauen. An unserer Schule arbeiten zwei Lehrmeister - einer für den Gartenlandschaftsbau und einer für den Gartenbau. Beide unterrichten Fachtheorie und Fachpraxis. Unter ihrer Anleitung beackern und gestalten wir unsere Anbauflächen.
So haben wir ein Regenrückhaltebecken gebaut. Mit dem dort gesammelten Wasser bewässern wir unsere Pflanzen. Aus Schnittholz stellen wir Zäune und Rankgitter her oder verbauen sie gleich vor Ort als eine sogenannte Benjes Hecke. Im Winter stellen wir Brennholz her. Dies bekommen wir als Abfallholz von einer regionalen Baumpflegefirma. Anfallende Grünabfälle werden von uns kompostiert. Der Kompost wird dann wieder eingesetzt. In unserem selbst angelegten Obst- und Gemüsegarten erhalten, züchten und pflegen wir alte Sorten. So haben wir Streuobstwiesen mit alten regionalen Obstsorten und eine Plantage mit heimischen Beerenobstsorten angelegt. Die Früchte werden zu Saft und Marmelade verarbeitet und verkauft. Wir kultivieren und erhalten auch seltene und alte Tomatensorten. Mit den Tomaten beliefern wir die Ökokiste, mit den Pflanzen Gärtnereigeschäfte in der Region.

Warum sind euch Naturschutz und biologischer Anbau wichtig?

Naturschutz und biologischer Anbau sind wichtig. Wie das geht, lernen wir von den Lehrmeistern und Lehrern unserer Schule. Unsere Produkte aus eigenem Anbau sind nicht gespritzt und schmecken darüber hinaus viel besser, als die aus dem Supermarkt. In der Abteilung Hauswirtschaft ist uns nicht nur wichtig, dass wir regionale, biologisch angebaute Produkte verarbeiten. Auch die Art und Weise der Zubereitung ist für uns bedeutsam. Jeder Schülerfirmentag endet mit einem Arbeitsessen. Da sind unsere Kartoffelecken aus eigenen Kartoffeln mittlerweile der Knaller.

Woran arbeitet ihr aktuell?

Gerade entwickeln wir ein schuleigenes Produkt: ein Müsli mit getrockneten Beeren aus unserer Beerenobstplantage. Das Müsli wird den Namen „Hemelinger Kraftprotz“ tragen. Die Entwicklung des Namens war sehr lustig aber auch eine Herausforderung. Der Name sollte witzig sein, aber auch klar machen, was im Produkte enthalten ist. Aber es hat sich gelohnt, denn für unsere Idee haben wir den Bremer Schülerfirmen Award 2015 bekommen. Darauf sind wir sehr stolz.

Was war bisher die größte Herausforderung bzw. das größte Problem, das ihr lösen musstet?

Die größte Herausforderung ist für uns jedes Jahr der Neujahrsempfang in der Bremer Bürgerschaft. Wir arbeiten dort nicht nur im Service, sondern auch in der Küche und übernehmen das Catering vor Ort. Dabei müssen wir innerhalb von wenigen Stunden rund 1.500 Canapés zubereiten und servieren. Dabei helfen fast alle aus den unterschiedlichen Abteilungen unserer Schülerfirma mit. Das ist immer sehr aufregend.
Die bisher größte Herausforderung aber auch eine Auszeichnung für unsere Schülerfirma war der Empfang unseres Bundespräsidenten in der Bremer Bürgerschaft im Jahr 2013. Die Schülerinnen und Schüler, die damals dabei waren, erzählten dass das Essen für alle Gäste zeitgleich serviert werden musste.

Was war bisher das lustigste Erlebnis?

Das lustigste und zugleich das schönste Erlebnis war für uns die Fahrt mit allen Schülerinnen und Schülern der Werkschule nach Berlin. Das Taschengeld hierfür wurde von uns allen in der Schülerfirma erwirtschaftet.

Wenn ihr drei Wünsche frei hättet, was würdet ihr euch für eure NaSch wünschen?

Vor allem, dass sich unser neues Produkt, der „Hemelinger Kraftprotz“  gut verkauft und wir viele Käufer haben, die unser Müsli lecker finden. Schön wäre es, und dass ist unser zweiter Wunsch, dass wir mehr Unterstützung und Förderung erhalten. Unser dritter Wunsch wäre, dass wir noch einmal alle zusammen nach Berlin fahren könnten.

Was habt ihr in eurer NaSch (dazu)gelernt?

Vor allem haben wir gelernt, Verantwortung für uns, für unsere Umwelt und damit auch für andere Personen zu übernehmen. Darüber hinaus fällt es uns dank der Arbeit in unserer Schülerfirma leichter, auf andere Personen wie Mitschüler zuzugehen und an einer Sache gemeinsam zu arbeiten. Wir wissen, was alles dazugehört ein Produkt zu entwickeln sowie Events zu planen und zu organisieren. Wir haben uns auch damit auseinandergesetzt, welche Vorteile der biologische Anbau hat und wie dieser funktioniert. Einige von uns haben gelernt, zu pflastern, einen Zaun zu bauen, eine Parzelle anzulegen oder mit wenig Geld ausgewogen und trotzdem lecker zu kochen.

Was möchtet ihr beruflich einmal machen?

Das ist ganz unterschiedlich. Einige von uns möchten ihre Erfahrungen aus der Schülerfirma weiter ausbauen und zum Beispiel Gärtner, Landwirtin, Koch, Restaurantfachfrau  oder Florist werden. Andere zieht es in Berufe wie Gebäudereiniger oder Altenpfleger. Einige sind noch unsicher, wissen aber schon, dass sie gern einen kreativen Beruf ergreifen möchten.

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