Interview mit der Nachhaltigen Schülerfirma „Raabe Imker GmbE“

In der Nachhaltigen Schülerfirma „Raabe Imker GmbE“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule Eschershausen mit den Themen Bienen und Imkerei auseinander. Sie produzieren, vermarkten und verkaufen vor allem Bienenhonig und Bienenwachs. Der NaSch-Community-Redaktion standen sie zu ihren Erfahrungen und ihren Wünschen Rede und Antwort. Darin berichten sie auch darüber, wie sie Nachhaltigkeit umsetzen.

Die seit über 10 Jahren bestehende Nachhaltige Schülerfirma „Raabe Imker GmbE“ ist integraler Bestandteil des schulischen Unterrichts. Neben Kenntnissen und Fertigkeiten rund um das Thema Imkerei erlangen die Schülerinnen und Schüler auch zoologisches, botanisches und ökonomisches Wissen. So arbeitet die Schülerfirma unter realen wirtschaftlichen Bedingungen mit Aktienbriefen, Investitionen, Löhnen und Dividenden.

Was ist das Besondere an eurer NaSch?

Natürlich gibt es schon einige Schülerfirmen zum Thema Bienen und Imkerei. Was unsere Schülerfirma jedoch besonders macht, ist zum einen unser Firmenname „Raabe Imker“. Dieser gründet auf den Namen des bekannten Schriftstellers Wilhelm Raabe, der in Eschershausen vor etwa 180 Jahren geboren wurde. Eine zweite Besonderheit ist unsere Organisationsform als GmbE. Dies bedeutet „Gemeinschaft mit besonderen Erfahrungen“. Besondere Erfahrungen machen wir jede Woche, wenn wir drei Stunden zusammenkommen und unsere Arbeiten erledigen. Eine dritte Besonderheit ist, dass es unsere Schülerfirma schon ziemlich lange gibt —seit über zehn Jahren. Darauf sind wir sehr stolz.

Was macht ihr in euer NaSch und wie arbeitet ihr?

In unserer Schülerfirma beschäftigen wir uns mit Bienen und produzieren Honig und Wachs im Einklang mit der Natur. Dabei lernen wir unter anderem auch komplexe ökologische und ökonomische Zusammenhänge kennen. Wir lernen aber auch, dass unsere Wünsche finanziert werden müssen. So arbeiten wir unter realen wirtschaftlichen Bedingungen mit Investitionen, Löhnen und Dividenden. Damit werden Ökologie und Ökonomie realitätsnah und nachhaltig miteinander verknüpft. Wir haben gelernt, dass wir alle Arbeiten, ob an der Unterhaltung der Streuobstwiese, dem Lagerhaus, der Bienenbeuten und dem Büro selbst koordinieren und bearbeiten müssen. Dafür treffen wird uns jede Woche zunächst zu einem Abstimmungsgespräch, lesen das Protokoll der letzten Sitzung vor und entscheiden dann, was dringend erledigt werden muss und wer die Aufgabe eigenverantwortlich erledigt.

Wie setzt ihr Nachhaltigkeit in eurer NaSch um?

Der Nachhaltigkeitsgedanke hat unsere Schülerfirma schon immer geleitet. Die Hauptfrage war dabei: „Wie gewährleisten wir, dass unsere Schülerfirma auch in Zukunft noch besteht? Auch bei der Bewirtschaftung beziehungsweise der Führung unserer Bienen müssen wir stets um die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Bienen kümmern. Bereits aus diesen zentralen Gesichtspunkten ergibt sich der Nachhaltigkeitsgedanke. Um aber auch einige konkrete Dinge zu benennen:

  • Beim Einkauf achten wir auf nachhaltige Produkte und nutzen „nachwachsende Rohstoffe“  aus dem Bienenstock.
  • Wir behandeln unsere Bienen nicht mit der „chemischen Keule“, sondern achten auf die Bienen- und Umweltverträglichkeit.
  • Unsere Produkte und Produktionsverfahren sind zu einhundert Prozent schadstofffrei.
  • Um Energie einzusparen, schleudern wir unseren Honig mit der Hand.
  • Auf unsere Honiggläser erheben wir Pfand und füllen nach entsprechender Reinigung unseren Honig erneut in diese Gläser ab.
  • Durch Verkauf unserer Produkte in der Region wird kein zusätzlicher Emissions-Ausstoß verursacht.
  • Wir gehen sorgsam und vorsichtig mit unseren Bienen als unsere besten und wichtigsten Mitarbeiter um.
  • Wir kämpfen aktiv gegen das Bienensterben indem wir sowohl unsere Bienenvölker als auch die Streuobstwiese/Bienenweide hegen und pflegen.
  • Wir nutzen Synergieeffekte. So dient unsere Streuobstwiese als Bienenweide und auch als Obstbaumplantage. Aus den Äpfeln produzieren wir dann selbstgepressten Saft.
  • Wir bieten Bienenwachskerzen-Workshops als „soziale Komponente“ an.

Was war bisher eure größte Herausforderung?

Um unseren Bienen eine möglichst gute und natürliche Tracht anzubieten, haben wir uns vor einigen Jahren überlegt, eine eigene Streuobstwiese mit vielen Blumen anzulegen. Dies gelang uns anfangs auch sehr gut. Die Bäume und Blumen waren eine Pracht. Doch leider sind die Bäume bald von Wühlmäusen abgenagt und die Blumen von Gräsern schnell überwuchert worden.
In unserer Not haben wir an unseren Landwirtschaftsminister geschrieben, da er in einem Zeitungsinterview berichtete, den Landwirtschaftlichen Raum und damit auch Bienenweiden zu unterstützen. Wir erhielten bald einen Brief von ihm, in dem er uns leider nur eine private Spende anbieten konnte. Die Presse berichtete von unserem Problem und so wurden dann aber andere Sponsoren auf unser Problem aufmerksam. Am Ende erhielten wir einen Balkenmäher, mit dem wir nun unsere Wiese mähen können. Die Bäume konnten wir inzwischen mit Hilfe eines Gärtners ausgraben, zum Schutz vor Wühlmäusen in Körbe setzen und wieder eingraben. Auch der Landwirtschaftsminister hat uns inzwischen besucht und uns Mut gemacht.

Was war bisher das lustigste Erlebnis?

Auf der letzten landesweiten Schülerfirmenmesse in Hannover erhielten wir einen Sonderpreis für unseren Messestand. Dieser Preis war ein Besuch in der Keksfabrik „Bahlsen“ in Barsinghausen bei Hannover. Bei diesem Besuch wurden wir von der Betriebsleitung empfangen und wir saßen in dicken Sesseln wie die Chefs. Danach mussten wir uns für den Besuch in der Keksfertigung wegen der Hygienevorschriften umziehen. Wir sahen in den speziellen Anzügen zwar alle aus wie Marsmenschen, konnten aber so viel Kekse direkt vom Band naschen, bis uns schlecht war. Leider hatte danach niemand mehr Appetit auf das schöne Essen, dass die Firma uns dann ausgegeben hat.

Wenn ihr drei Wünsche frei hättet, was würdet ihr euch für eure NaSch wünschen?

Vor allem wünschen wir uns ein neues Lagerhaus, damit wir im Winter dort Bienenwachskerzen mit unseren Mitschülern und den Eltern ziehen können. Dieser Wunsch wird sogar bald in Erfüllung gehen, denn dank eines gewonnenen Innovationspreises von „Starke Schule“ können wir dieses Haus bauen. Schüler unserer Schule bauen in der Berufsschule in Zusammenwirken mit der BBS und ortsnahen Unternehmen schon daran. Die Einweihung wird wohl im Sommer nächsten Jahres stattfinden. Darauf freuen wir uns riesig. Dann wünschen wir uns, dass die Arbeit in unserer Nachhaltigen Schülerfirma weiterhin so viel Spaß macht. Wir fühlen hier sehr wohl und würden uns freuen, wenn das immer so bleibt. Und unser dritter Wunsch ist eine so tolle Weihnachtsfeier wie im letzten Jahr.

Was habt ihr in eurer NaSch (dazu)gelernt?

Neben all dem was zur Imkerei gehört, wie Lehrgänge besuchen, Briefen schreiben, Kontakte zu Firmen aufbauen und pflegen, ist es vor allem die Erfahrung, dass wir gemeinsam stark sind und viel bewegen können. Wir bilden eine tolle Gemeinschaft und präsentieren unsere Firma auf Messen. Dort gehen wir aktiv auf Menschen zu und reden mit ihnen oder üben den Umgang mit der Presse, aber auch mit hochgestellten Persönlichkeiten wie beispielsweise Minister - die ja auch nur Menschen sind. Gut ist, zu erfahren, dass Unterricht auch mal ganz anders sein kann und Lehrer auch richtig nett sein können.

Welche Erfahrung bzw. welchen Tipp könnt ihr Schülerfirmen geben, die sich zu einer Nasch weiterentwickeln möchten?

Zuallererst Visionen entwickeln und mit Mut an große Aufgaben herangehen. Meist sind die Herausforderungen dann gar nicht so schlimm und man ist dann stolz, alles selbst bewältigt zu haben. Dann den Mut haben, einfach Dinge auszuprobieren und daran immer im Blick haben, dass man auch aus Misserfolgen lernen kann.

Was möchtet ihr beruflich einmal machen?

Darüber machen wir uns schon Gedanken, aber unsere Wünsche ändern sich immer wieder. So möchten wir heute Lokomotivführer werden und morgen Erzieherin. Unser ältestes Mitglied unserer Schülerfirma hat seinen Berufswunsch bereits fest im Blick. Er möchte Landwirt werden und sucht schon einen Ausbildungsplatz.

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