Interview mit der Nachhaltigen Schülerfirma "miksmaks"

„Miksmaks“ besteht bereits seit zehn Jahren. Sie wurde im Schuljahr 2006/2007 gegründet und 2009 in die Rechtsform einer Schülergenossenschaft überführt. Der NaSch-Community-Redaktion standen sie zu ihren Erfahrungen und ihren Wünschen Rede und Antwort.

Aktuell arbeiten die Schülerinnen und Schüler in acht verschiedenen Abteilungen: Die Mitarbeit in der Schülergenossenschaft ist dabei für alle Neunt- und Zehntklässler verpflichtend. Die Schüler bewerben sich dabei für die Abteilung, in der sie mitarbeiten wollen. Alle Abteilungen arbeiteten parallel jeden Donnerstag von der 5. bis zur 8. Stunde und werden jeweils von einer Lehrkraft begleitet.

Wie seid ihr auf die Idee für eure NaSch gekommen?

Unsere Schülerfirma gibt es schon seit zehn Jahren. Sie ist ein Schulprojekt im Rahmen der Berufsorientierung. Sie startete mit fünf Geschäftsfeldern. Im Laufe der Jahre gab es zahlreiche Veränderungen. Die letzte zum Schuljahr 2015/16. Aufgrund der Zusammenlegung der beiden Förderschulen Lernen und damit erhöhter Schülerzahlen benötigten wir mehr Arbeitsplätze. Gleichzeitig wollten wir unser Produktangebot erweitern und im sozialen Bereich tätig werden. Mit der Einrichtung der Abteilungen Filzwerkstatt und Helferdienst ist uns das gut gelungen.

Was zeichnet eure Schülerfirma aus?

Unsere Abteilungen sind: Catering, Fahrradwerkstatt, Filzwerkstatt, Helferdienst (Altenbetreuung), Holzwerkstatt, Metallwerkstatt, Textilwerkstatt und Buchhaltung / Marketing. Alle Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen arbeiten in unserer Schülergenossenschaft. Wir bewerben uns für die gewünschte Abteilung. Insgesamt hat unsere Schülerfirma 77 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Abteilungen arbeiten donnerstags von der 5. bis zur 8. Stunde.
Seit 2009 ist miksmaks eine Schülergenossenschaft. Die Raiffeisenbank Oldenburg und der Genossenschaftsverband Weser-Ems sind unsere festen Kooperationspartner.

Wie setzt ihr Nachhaltigkeit in eurer NaSch um?

Nachhaltigkeit hat in unserer Schülergenossenschaft einen sehr großen Stellenwert und wird in jeder Abteilung umgesetzt. So zum Beispiel in unserer Abteilung Catering. Unsere Zutaten, Obst und Gemüse kaufen wir regional und saisonal ein; zum Teil verwenden wir Bioprodukte. Wir bieten vegetarisches Fingerfood an und backen auch vegane Kuchen.
Auch in unserer Fahrradwerkstatt achten wir auf Nachhaltigkeit. So bekommen wir gebrauchte Fahrräder gespendet, die wir wieder fertig machen. Dazu verwenden wir, wo möglich, gebrauchte Teile.
In unserer Filzwerkstatt stellen wir die Produkte in Trockenfilztechnik her. Beim Nassfilzen achten wir auf einen sparsamen Wasserverbrauch. Darüber hinaus verwenden wir Schafwolle und bei gefärbter Wolle achten wir darauf, dass sie naturgefärbt ist.
In der Holz-, der Metall- und der Textilwerkstatt werden Reste und Materialspenden verarbeitet und möglichst umweltverträgliche Materialien, wie zum Beispiel Lacke und Putzmittel verwendet. Unsere Produkte fertigen wir so, dass sie lange halten. Wir reparieren und arbeiten Gegenstände im Auftrag von Kunden auf, die sonst weggeworfen würden.
In unserem Bereich Helferdienst  stehen die Unterstützung zur aktiven Lebensgestaltung sowie die Vermittlung von Lebensfreude im Vordergrund unserer Aktivitäten in den verschiedenen Seniorenwohnheimen.
In der Buchhaltung benutzen wir Umweltpapier, versenden Rechnungen und Briefe per Mail und erledigen unsere Wege zur Post oder zur Bank mit dem Fahrrad.
In allen Abteilungen achten wir darüber hinaus auf sparsamen Energieverbrauch. Auch eine gute Arbeitsatmosphäre gehört für uns zur Nachhaltigkeit; in den Abteilungen wird fast immer in Teams gearbeitet. Außerdem unterstützen wir seit dem Geschäftsjahr 2012/13 die Grassfield-Schule in Freetown / Sierra Leone durch regelmäßige Spenden. Unsere Partnerorganisation hierfür ist „Hilfe direkt Oldenburg - Sierra Leone / West-Afrika; Verein zur Förderung interkultureller Begegnung e.V.“.

Was ist das Besondere an einer / eurer Schülergenossenschaft?

Dadurch, dass wir eine Schülergenossenschaft sind, haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die gleichen Rechte, egal ob Schüler oder Lehrkraft. Das zeigt sich beispielsweise auf den Mitgliederversammlungen, wo jedes Mitglied eine Stimme hat. Unser Vorstand besteht ausschließlich aus Schülerinnen und Schülern und im Aufsichtsrat sind fünf Schüler, zwei Lehrkräfte und eine Vertreterin unseres Kooperationspartners. Das bedeutet, wir planen und entscheiden gemeinsam, was in unserer Firma läuft.
Wir haben unsere Schülergenossenschaft nach dem Genossenschafts-Motto „Gemeinsam mehr erreichen“ organisiert. Alle Abteilungen bilden zusammen unsere Firma. Wir sind keine Konkurrenten. Vielmehr unterstützen sich die Abteilungen gegenseitig, zum Beispiel bei großen Aufträgen. Alle Gewinne fließen in „einen Topf“ und kommen allen bei der gemeinsamen Veranstaltung zum Abschluss des Geschäftsjahres zugute.
Damit alle wissen, worum es in einer Schülergenossenschaft geht und sich alle beteiligen können, führen wir jedes Jahr eine Fortbildung durch. Außerhalb der Schule arbeiten wir zu den Themen Geschäftsplan, Satzung, Nachhaltigkeit, von der Bestellung bis zur Bezahlung oder dazu, wie man Arbeitszeugnisse richtig liest und versteht.

Was war euer bisher größtes Erfolgserlebnis?

Allein, dass unsere Schülerfirma bereits seit zehn Jahren besteht ist ein großer Erfolg. Dies drückt eine große Kontinuität aus. Toll ist auch, dass „miksmaks“ 2014 nach den Zertifizierungskriterien für Nachhaltige Schülerfirmen im Land Niedersachsen die Qualifizierungsstufe in Gold zuerkannt wurde. Weitere Erfolge, auf die wir stolz sind, sind der erste  Platz beim Norddeutschen IHK-Schulpreis im Jahr 2013 und der siebente Platz beim Bundes Schülerfirmen Contest im Jahr 2012.

Wenn ihr drei Wünsche frei hättet, was würdet ihr euch für eure NaSch wünschen?

Erstens, dass die Arbeitsatmosphäre und große Hilfsbereitschaft so positiv bleibt. Zweitens möchten wir uns weitere Verkaufsmöglichkeiten erschließen, damit wir unseren Gewinn steigern und die Ausstattung in den Abteilungen verbessern können. Und schließlich wünschen wir uns, dass „miksmaks“ noch lange erfolgreich weiter besteht.

Was habt ihr in eurer NaSch (dazu)gelernt?

Durch die Genossenschaft können wir uns besser vorstellen, wie es in einem Betrieb abläuft und haben wir gelernt, Verantwortung zu übernehmen und zu präsentieren. Außerdem haben wir erfahren, wie wichtig es ist gut im Team zusammen zu arbeiten, auch mit denen, mit denen man sonst eher wenig zu tun hat. In den einzelnen Abteilungen haben wir neue Arbeitstechniken gelernt.

Welchen Tipp könnt ihr Schülerfirmen geben, die sich zu einer Nasch weiterentwickeln möchten?

Es ist immer gut, zu bestehenden Nachhaltigen Schülerfirmen Kontakt aufzunehmen und sich über Erfahrungen und Probleme auszutauschen oder noch besser, sie zu besuchen. Wichtig ist, dass man den Austausch als Anregung für die eigenen Ideen nutzt und sich von Anfang an als Team auf den Weg macht.

Was möchtet ihr beruflich einmal machen?

Unsere Berufswünsche sind sehr vielfältig. Viele wollen einen Beruf im Handwerk erlernen. So möchten einige von uns Kraftfahrzeugmechatroniker, Zweiradmechaniker oder Tischler werden. Andere wollen eine Ausbildung im Einzelhandel, in der Pflege oder im Dienstleistungsbereich absolvierten. Einige werden auch weiter zur Schule gehen, um ihre Möglichkeiten für den gewünschten Ausbildungsberuf zu verbessern.

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