Interview mit der Nachhaltigen Schülerfirma "Elk und Een"

"Elk un Een" besteht aus fünf Abteilungen. Neben der Herstellung und dem Verkauf von Pizzabrötchen, einer Suppenküche, einen Fahrradpflege-Service umfasst dies auch eine Abteilung Merchandising und eine Abteilung Nähen. Diese trägt den Namen „ZickZack“. Der NaSch-Community-Redaktion standen sie zu ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen in einem Blitzinterview Rede und Antwort.

Die Schülerfirma ist Teil der Berufsvorbereitung und ist auch im Berufsvorbereitungskonzept verankert. Auch die Unterrichtsfächer Deutsch und Mathe sind einstündig mit eingebunden. Alle Schüler der Oberstufe nehmen wöchentlich fünf Stunden im Block daran teil. Darüber hinaus ist die 2011 gegründete Nachhaltige Schülerfirma Teil des Projektes „Schülerfirmen als Fair Trade Botschafter“.

Wie seid ihr auf die Idee für eure Nachhaltige Schülerfirma (NaSch) gekommen?

Im Jahr 2006 beschloss eine Lerngruppe unserer Schule, kleine Pizzabrötchen für die Schüler unserer Schule herzustellen und zu verkaufen. Mobilität war damals das Ziel und die Motivation: Wir wollten gerne außerschulische Lernorte besuchen, wie z.B. die örtliche Sparkasse. Dafür wollten wir öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Jedoch brauchten wir dafür Geld, denn wir wollten ja nicht Schwarzfahren. Auch kleinere Ausflüge oder Zeitschriften und Bücher für die Klasse konnte unsere Schülerfirma auf diesem Wege selbst finanzieren.
Damit nicht nur die Mitglieder der Schülerfirma, sondern alle Mitschüler einen Nutzen haben, haben wir für alle Schüler der Schule eine kostenlose ostfriesische Teepause angeboten. Teebeutel, Sahne, Kluntje, also Kandis, und Kekse haben wir durch den Verkauf von Pizzabrötchen ebenfalls finanziert.

Wie ging es weiter?

Als das Konzept von Schülerfirmen sich immer mehr verbreitete, wurde das Projekt „Pizzabrötchen“ der erste kleine Schülerfirmenzweig. Mittlerweile gibt es an unserer Schule ein Berufsvorbereitungskonzept. Darin ist unsere Schülerfirma „Elk un Een“ fest eingebunden ist. Alle Schüler der Oberstufe arbeiten in mittlerweile fünf Abteilungen unserer Nachhaltigen Schülerfirma. Das die Abteilungen „Pizzabrötchen“, „Suppenküche“, „Merchandising“, „ZickZack“ und unser Fahrradpflege-Service.

Was bedeutet der Name eurer Schülerfirma?

Unser Name „Elk un Een“ ist plattdeutsch und bedeutet übersetzt so viel „Alle und jeder“. Damit wollen wir zum Ausdruck bringen, dass jeder in unserer NaSch und auch in der Gesellschaft einen Platz hat und sich einbringen kann. Sozusagen Inklusion pur!

Wie setzt ihr Nachhaltigkeit in eurer NaSch um?

Da gibt es eine ganze Menge Beispiele aus unserer Arbeit:

  • Wir berücksichtigen soziale, ökonomische und ökologische Aspekte bei der Arbeit. Teamwork und Verlässlichkeit sind und wichtig.
  • Wir haben einen Betriebsrat, den wir immer kontaktieren können.
  • Wir investieren das eingenommene Geld in die für alle Schüler unserer Schule kostenlose ostfriesische Teetasse. Diese ist mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Schullebens geworden.
  • Zudem nehmen wir an einen Fairtrade-Botschafter Projekt teil. Wir besuchen hier Fortbildungen, haben schon Ausstellungen und Verkaufsstände dazu gemacht und setzen fair gehandelte Produkte bei der Herstellung der Pizzabrötchen ein.
  • Wir präsentieren uns auch auf Schülerfirmenmessen mit einem Snack- oder Ausstellungsstand. Manchmal bieten wir dort auch eine Teerunde an.
  • Wir achten auf Müllvermeidung und Mülltrennung, sowie auf Gesundheitsförderung bei der Herstellung unserer Speisenangebote. So backen wir beispielsweise unsere Brötchen für die Pizzaschnitten selber – sie  sind dadurch frisch und vor allem vollwertig.

Von wirtschaftlicher Seite haben wir Einnahmen und Ausgaben stets im Blick. Natürlich haben wir uns auch schon mal verkalkuliert – aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Und wir sind Mitglied im NaSch-Arbeitskreis. Dadurch vernetzen wir uns mit anderen Schülerfirmen und profitieren voneinander. Das macht Spaß.

Was war bisher die größte Herausforderung bzw. das größte Problem, das ihr lösen musstet?

Es war gar nicht so leicht, die NaSch im Stundenplan zu verankern. Um effektiv arbeiten zu können, brauchen wir mindestens fünf Unterrichtsstunden am Stück. Nach vielen Überlegungen und Tests hat es aber schließlich prima geklappt. Wir arbeiten immer donnerstags von der zweiten bis zur sechsten Stunde in unseren Abteilungen. Auch die Buchführung fiel uns anfänglich schwer. Die Arbeit mit Excel war für viele von uns Neuland. Nun gibt es in jeder Abteilung einen Experten für die Abrechnung und deren Dokumentation.

Was war bisher das lustigste Erlebnis?

Das ist eine schwere Frage... Jeder NaSch-Tag bringt lustige Erlebnisse mit sich. Wir haben verrückte Ideen, Hilfsmittel für beeinträchtigte Schüler zu finden. Da wird schon mal ein Besen zu einer „Automatischen-Haushaltsrollen-Abwickel-und-Abreiß-Vorrichtung“ umfunktioniert. An einem Vormittag hatte sich in der Pause unser Hefeteig aus der Schüssel verabschiedet und über die ganze Arbeitsplatte ausgebreitet, weil es so warmes Wetter war – Naturwissenschaft konnten wir so live erfahren. Am Ende des Schuljahres gibt es immer für einen Tag einen Schüler-Lehrer-Tausch. Da gibt es immer ein Durcheinander. Trotzdem werden die Pizzabrötchen so lecker wie immer.

Wenn ihr drei Wünsche frei hättet, was würdet ihr euch für eure NaSch wünschen?

Erst einmal ein kostenloses Konto auf dem man auch kostenlos Bargeld einzahlen kann. Aktuell müssen wir Kontoführungs- und Einzahlungsgebühren zahlen. Das ist für ein Schulprojekt, bei dem die Mittel sowieso begrenzt sind, sehr ärgerlich. Dann auch mehr Mobilität, Kostenübernahme und Zuschüsse, damit wir mehr außerschulische Lernorte besuchen und uns fortbilden können. Vor allem aber mehr Zeit für die Schülerfirmenarbeit und für alles, was damit zusammenhängt.

Was habt ihr in eurer NaSch (dazu)gelernt?

Vor allem Teamarbeit, Flexibilität und Verlässlichkeit. Ökonomisch und ökologisch zu handeln gehört auch dazu. Wir trauen uns, Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen. Wir haben den Umgang mit Geld gefestigt, was Konto- und Buchführung mit einschließt. Wenn wir die Schule verlassen, dann sind wir sicherer in Bewerbungsgesprächen, weil jeder von uns sich schon mal schriftlich bei unserer Schülerfirma beworben hat und dabei mehrere Vorstellungsgespräche hatte. Wir kennen alle Hygienevorschriften und Arbeitssicherheitsmaßnahmen. Wir wissen, was wir können und haben mehr Selbstbewusstsein.

Welche Erfahrung bzw. welchen Tipp könnt ihr Schülerfirmen geben, die sich zu einer Nasch weiterentwickeln möchten?

Seid mutig! Fangt einfach an! Startet durch! Arbeitet im regionalen Arbeitskreis der Nachhaltigen Schülerfirmen mit – dort bekommt mal unendlich viele Ideen und Hinweise für eine NaSch.

Was möchtet ihr beruflich einmal machen?

Da gibt es eine breite Palette: Einige von uns werden in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen arbeiten – in der Küche, in der Näherei, im Handwerk oder im Gartenbau. Andere gehen auf weiterführende Schulen und streben teilweise sogar ein Fachabitur an. Dann gibt es viele Ausbildungswünsche: Koch, Arbeit im Einzelhandel, in der Lagerlogistik, Gärtner, Busfahrer, Altenpflege oder einen technischen Beruf.

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