Interview mit der Nachhaltigen Schülergenossenschaft "Öko-E eSG"

Die Schülergenossenschaft der Gesamtschule Windeck umfasst drei Geschäftsfelder. Neben dem Verkauf von Ökostrom sowie der Pflege von Streuobstwiesen sind sie auch auf dem Gebiet des Tourismus aktiv. Hier bieten sie über eine Internetplattform Übernachtungsmöglichkeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist allen drei Geschäftsfeldern gemein. Der NaSch-Community standen sie zu ihrer Arbeit in einem Blitzinterview nun Rede und Antwort.

In der 2016 gegründeten Schülergenossenschaft wollen die Schülerinnen und Schüler Gesamtschule Windeck praxisnah und lernen, wie es ist, in einer echten Firma zu arbeiten. Neben dem Nachhaltigkeitsgedanken sind den Schülerinnen und Schülern auch demokratische Prinzipien, Gerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe wichtig. Aus diesem Grund haben sie sich auch für die Rechtsform einer Genossenschaft entschieden.

Wie seid ihr auf die Idee für eure NaSch gekommen?

Unser Lehrer, Herr Siems, hatte schon die Schülergenossenschaft Naschwerk gegründet, bevor er an unsere Gesamtschule Windeck kam. Er stellte seine Idee vor, für den Öko-Stromanbieter Bürgerwerke eG aus Heidelberg einen Vertrieb als Schülergenossenschaft zu gründen. Das hat uns überzeugt. Von unserer Seite kam die Idee mit der Betreuung von Streuobstwiesen und Apfelsaftverkauf und daraus haben wir dann in einem Gründungsworkshop unseren Geschäftsplan mit zwei Geschäftsfeldern entwickelt. Später bekamen wir von einem Kollegen von Herrn Siems aus Niedersachsen noch die Internetplattform www.eco-ferien.de angeboten, weil sich für dessen Schülerfirma kein betreuender Lehrer mehr fand. So entstand dann unser drittes Geschäftsfeld.

Wie setzt ihr Nachhaltigkeit in eurer NaSch um?

Unser Apfelsaft ist aus erntefrisch verarbeiteten Äpfeln. Darüber hinaus sind sie frei von chemischen Mitteln wie Dünger oder Pflanzenschutzmitteln. Mit diesem Produkt werben wir zugleich für den Einkauf von saisonalen und regionalen Produkten, wodurch die Umwelt geschont werden kann, da lange Transportwege entfallen. Auch im sozialen Bereich kann sich so etwas verbessern, da Arbeitsplätze in der Region, aus der die Produkte stammen, gesichert werden.
Bei Ökostrom ist die Sache klar: Kohlekraftwerke tragen zum Klimawandel bei und tragen Schwermetalle in unsere Umwelt und in die Nahrungsketten von Mensch und Tier. Auch Atommüll, der über tausende von Jahren sehr gefährlich bleibt, wird durch Strom aus erneuerbarer Energie (Sonne, Wind und Wasser) vermieden. Zudem gibt es eine positive soziale Auswirkung, wenn der Öko-Strom, den die Energiegenossenschaften in ganz Deutschland erzeugen, auch von einer Genossenschaft verkauft wird. Die Verantwortung für die Energieversorgung bleibt in Bürgerhand – und damit auch die Gewinne. So können die meisten Energiegenossenschaften in ihren Regionen zahlreiche soziale und kulturelle Projekte unterstützen und den Mitgliedern noch eine Dividende auszahlen.

Und wie sieht Nachhaltigkeit bei euren dritten Geschäftsfeld im Bereich Tourismus aus?

Bei der Internetplattform www.eco-ferien.de sind über 100 Übernachtungsmöglichkeiten aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich im Angebot, die alle eine klare Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen – entweder durch eine konsequent ökologische Bauweise der Gebäude und/oder durch eine Versorgung mit Ökostrom. Vom Naturcampingplatz bis zum Wellnesshotel ist alles dabei. Besonders unsere Bio-Winzer und Bio-Bauernhöfe bieten Möglichkeiten für einen Familienurlaub.

Was war bisher die größte Herausforderung bzw. das größte Problem, das ihr lösen musstet?

Wir hatten noch nie ein größeres Problem, da wir von Senior-Experten beraten werden, die alle Probleme für uns lösen. Spaß beiseite: Wir haben noch kein richtiges Schülerfirmenbüro und arbeiten im Lehrerzimmer unserer Schule. Das ist für alle Beteiligten nicht immer angenehm. Außerdem ist unser Kapitalbedarf in der Gründungsphase der Öko-E größer gewesen als unsere Einnahmen und da eine Schülergenossenschaft keine Kredite aufnehmen darf, mussten wir nach Sponsoren suchen. Aber das ist uns gelungen.

Worauf seid ihr besonders stolz?

Unsere Projekttage zur Obstwiesenpädagogik: Dabei haben wir viel über das Ökosystem Streuobstwiese, über Schafe und Apfelsorten gelernt und auch darüber, wie man Bäume pflanzt. Dann sind natürlich auch die Auszeichnungen auf der Schülergenossenschaftsmesse GenoGenial und auf der Schülerfirmenbörse des Netzwerkes Kölner Schülerfirmen zu nennen, über die wir uns deshalb so sehr gefreut haben, weil wir als die jeweils jüngsten Teilnehmer gar nicht damit gerechnet hatten, dass wir eine Auszeichnung erhalten.

Wenn ihr drei Wünsche frei hättet, was würdet ihr euch für eure NaSch wünschen?

Erstens ein eigenes Büro mit einer richtigen Austattung. Dann mehr öko-Strom-Kunden, um das Klima zu schützen und um das Risiko Atommüll nicht weiter zu erhöhen. Unser dritter Wunsch wäre eine Einladung nach Berlin. Super wäre zu Beispiel das Sommerfest des Bundespräsidenten.

Was habt ihr in eurer NaSch (dazu)gelernt?

Wir haben viel – vor allem über wirtschaftliche Zusammenhänge – gelernt. Als Besucher der Generalversammlung der Bürgerwerke eG wissen wir, wie unsere eigenen Generalversammlungen gestaltet werden müssen und auf einem Workshop des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbands (RWGV) haben wir gelernt, wie man eine Pressekonferenz vorbereitet und durchführt und wie man „Lobbyarbeit“ bei den Politikern unserer Region betreibt. Ganz klar: Wir wollen in unserer Schule und Region etwas in Sachen Umweltbewusstsein bewegen.

Welche Erfahrung bzw. welchen Tipp könnt ihr Schülerfirmen geben, die sich zu einer NaSch weiterentwickeln möchten?

Am besten wäre es, wenn die Gründer einer Schülerfirma sich schon im Vorfeld überlegen, welche Möglichkeiten die Arbeit in und mit der Natur bietet. Das Thema „Umwelt“ bietet zahllose Geschäftsfelder, sowohl als Dienstleistung als auch in der Herstellung von Produkten. Kampf dem Plastikmüll oder der Energieverschwendung ist eine erfolgversprechende Devise. Rund ums Upcycling und erneuerbare Energien gibt es mittlerweile viele Geschäftsideen. Vielleicht schaut ihr einfach mal beim Bundes-Schülerfirmen-Contest unter www.bundes-schuelerfirmen-contest.de vorbei. Dort könnt ihr übringens uch für uns abstinmmen. Wir freuen uns über ein Voting.

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