Reparaturwerkstatt der Rudolf-Steiner-Schule Schwabing

Die Schülerinnen und Schüler der Reparaturwerkstatt der Rudolf-Steiner-Schule München-Schwabing reparieren in Zweierteams wöchentlich dreimal für je 1,5 Stunden defekte Geräte. Die Arbeiten finden im Rahmen des Wahlpflichtfaches „Reparaturwerkstatt“ statt. Für Holzarbeiten nutzen sie die Holzwerkstatt, für Reparaturen an elektrischen Geräten, an Fahrrädern gibt es neu geschaffene Arbeitsplätze in der Physiksammlung.

Repariert wird alles, was die Kunden während der Öffnungszeit der Reparaturwerkstatt einliefern. Kosten fallen nur dann an, wenn Ersatzteile benötigt werden. Dies wird rechtzeitig mit den Kunden abgesprochen. Spenden dienen der Werkstattausstattung. Gemeinsam dem Hausmeister reparieren die Schüler auch im Schulgebäude. Zukünftig wird es auch eine Kleiderreparatur geben

Wie seid ihr auf die Idee für eure NaSch gekommen?

Laut WWF verbraucht die Menschheit 60 Prozent mehr an Ressourcen, als die Welt bereitstellt. Machen wir so weiter wie bisher, würden wir im Jahr 2030 bereits zwei Erden benötigen, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Das zeigt: Die Erde ist am Limit und ein dringendes Umdenken ist gefragt. Abfallvermeidung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Ressourcenschonung und Klimaschutz. Deshalb haben wir unsere Schülerreparaturwerkstatt an unserer Schule gegründet.

Was ist das Besondere an eurer NaSch?

Die Besonderheiten der Schülerreparaturwerkstatt an der Rudolf-Steiner-Schule München-Schwabing sind:

  • Sie findet nicht im „abgesicherten Modus“ statt, sondern unter realen Bedingungen: Echte KundInnen bringen echte Reparaturen.
  • Die Schülerinnen und Schüler gestalten den gesamten Prozess in Eigenregie: Sie führen die Gespräche mit den Kunden durch, übernehmen zunächst ganz eigenständig die Fehlersuche und die damit verbundenen Recherchen im Internet und in sonstigen Quellen wie beispielsweise in mitgelieferten Bedienungsanleitungen.
  • Es wird nach der Methodik des entdeckenden und erfahrungsgeleiteten Arbeitens und Lernens gearbeitet.
  • Die Schülerinnen und Schüler entscheiden selbst, wann sie allein nicht weiterkommen und weitere Hilfe benötigen, die sie sich aktiv holen.
  • Die Lernenden organisieren sie selbst, welches Team welche Reparaturen übernimmt.
  • Der Einbezug von ehrenamtlichen Reparaturanleitern ist wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Solernen die Schülerinnen und Schüler, mit Externen zusammenzuarbeiten und gemeinsam generationenübergreifende Erfahrungen zu sammeln; es findet keine alleinige Orientierung an der Lehrkraft statt.
  • Im Unterschied zur gängigen Praxis der Repair Cafés müssen die reparaturbedürftigen Teile am Ende einer Reparatur-Session nicht gleich wieder mitgenommen werden, sondern können so lange in der Schülerreparaturwerkstatt verbleiben, bis evtl. benötigte Ersatzteile beschafft wurden. Die Kunden werden entsprechend informiert.
  • Bewusst ist die Schülerreparaturwerkstatt nicht als wirtschaftliches Unternehmen organisiert. Es geht vielmehr darum, sich uneigennützig in den Dienst Dritter zu stellen, ohne die Erwartung von materieller Belohnung. Die „Belohnung“ besteht ausschließlich in der Befriedigung, etwas für andere zu tun – und dabei selbst viel zu lernen.
  • Das Nutzen des Internets als Informations- und Kommunikationsquelle (z.B. mit Herstellern oder Lieferanten) bietet den Schülern die Chance, seinen Werkzeugcharakter zu erkennen und es nicht als Unterhaltungsmedium zu gebrauchen.

Was war bisher die größte Herausforderung bzw. das größte Problem, das ihr lösen musstet?

Die Reparaturen von Elektrogeräten so durchzuführen, dass die Sicherheitsanforderungen an Schulen gewährleistet werden. Hierfür haben wir einen Adapter entwickelt, der es uns  unmöglich macht den Stecker in die Steckdose zu stecken. Wir können jedoch trotzdem die Steckerverbindung  auf Kabelbruch untersuchen.

Wir hatten sehr viel Spaß bei der Erstellung unseres Werbefilms zur Reparaturwerkstatt. Den kann man auch auf YouTube unter ansehen.

Wenn ihr drei Wünsche frei hättet, was würdet ihr euch für eure NaSch wünschen?

In erster Linie mehr Raum und Werkzeuge für unsere Werkstatt. Toll wären eine Ständerbohrmaschine, ein Schweißgerät für Metalle und Plastik, eine Drehbank, ein 3D-Drucker und 3D-Scanner.

Was habt ihr in eurer NaSch (dazu)gelernt?

In erster Linie haben wir den Mut bekommen, kaputte Sachen erst mal selbst zu öffnen und nach dem Problem zu suchen, anstatt sie einfach wegzuwerfen oder zurückzuschicken.

Welche Erfahrung oder welcheTipps könnt ihr Schülerfirmen geben, die sich zu einer nachhaltigen Schülerfirma weiterentwickeln möchten?

Wir sind gerade dabei ein Handbuch zur Gründungshilfe von Schülerreparaturwerkstätten zu erstellen. Das wird im Dezember 2017 erscheinen. Hier sind unsere Erfahrung und Tipps und vieles mehr festgehalten.

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