FAQ Nachhaltige Schülerfirmen

Oft gestellte Fragen rund um Nachhaltige Schülerfirmen werden Ihnen hier beantwortet. So erfahren Sie zum Beispiel, welche rechtlichen Aspekte Sie beachten müssen oder was ein Nachhaltigkeitsaudit ist.

Gründung Nachhaltiger Schülerfirmen

  • Wer muss bei der Gründung einer Nachhaltigen Schülerfirma die Genehmigung erteilen?
    Die Regelungen zur Gründung von Schülerfirmen sind im Schulgesetz des jeweiligen Bundeslandes festgehalten. Für viele rechtliche Fragen ist es wichtig, dass die Schule weiß, dass es die Schülerfirma gibt, sie billigt und die Verantwortung für sie übernimmt. Es sollte daher bei der Gründung darauf geachtet werden, dass die Schulleitung die Schülerfirma von Anfang an als offizielles Schulprojekt, also als schulische Veranstaltung, anerkennt.
  • Wen sollten wir bei der Gründung einbeziehen?
    Bei der Gründung einer Nachhaltigen Schülerfirma ist es wichtig, dass schon frühzeitig alle Akteure und Partner einbezogen werden. Das sind zum Beispiel die Schülerinnen und Schüler selbst, das Lehrerkollegium, die Schulleitung sowie andere Mitglieder der Schule, Eltern oder auch Kooperationspartner. Sie alle können dabei helfen, das Vorhaben auf stabile Beine zu stellen.
  • Was ist ein Businessplan und was bringt er unserer Nachhaltigen Schülerfirma?
    Der Business- oder Geschäftsplan ist eine schriftliche Zusammenfassung eines unternehmerischen Vorhabens. Er hilft in erster Linie dabei, die Verwirklichung der Geschäftsidee klarer herauszuarbeiten (potenzielle Kunden, benötigte Räumlichkeiten, schulische Einbindung, Verkaufsmodalitäten und so weiter). Der Businessplan dient der Schülerfirma also als Arbeitsinstrument und als „Visitenkarte“ des Vorhabens.
  • Wie können wir eine nachhaltige Geschäftsidee entwickeln?
    Die Schülerfirma sollte sich überlegen, wie sie die Bedürfnisse der potenziellen Kunden mit ökologisch verträglichen und/oder sozial gerechten Produkten und Dienstleistungen befriedigen kann. Sie kann sich außerdem die Frage stellen, ob Produkte und Dienstleistungen, die nachgefragt werden, tatsächlich notwendig sind und sich zum Beispiel umweltfreundliche Alternativen dazu überlegen. Zum Beispiel könnte eine Schülerfirma Theaterveranstaltungen für umliegende Kindergärten oder einen Fahrradverleih anbieten. Weitere Anregungen gibt es auch in der Ideenbörse der NaSch-Community.

Nachhaltigkeit in Schülerfirmen

  • Wie unterscheiden sich nachhaltige von nicht-nachhaltigen Schülerfirmen?
    Neben individuellen und wirtschaftlichen Interessen berücksichtigen Nachhaltige Schülerfirmen auch die ökologischen, sozialen, lokalen und globalen Auswirkungen ihres Handelns. Sie entwickeln kreative und innovative Ideen, und meistern dabei die Herausforderung, ihre Produkte und Dienstleistungen umweltfreundlich und sozial gerecht zu gestalten. Eine Checkliste zur Überprüfung der Nachhaltigkeit Ihrer Schülerfirma finden Sie hier.
  • Was ist ein Nachhaltigkeitsaudit?
    Das Nachhaltigkeitsaudit unterstützt und dokumentiert die Veränderungen in einer Schülerfirma im Hinblick auf soziale, ökonomische und ökologische Verbesserungen. Es wird schriftlich festgehalten, welche Schwerpunkte sich die Schülerfirma zur Verbesserung des nachhaltigen Wirtschaftens gesetzt hat und wie sie die Veränderungen herbeigeführt hat. Das Nachhaltigkeitsaudit bietet bereits in der Gründungsphase eine handlungsorientierte Anregung zur Ausrichtung der Schülerfirma an der Idee des nachhaltigen Wirtschaftens.
  • Muss unsere Schülerfirma von Anfang an nachhaltig wirtschaften?
    Optimal ist es, die Nachhaltige Schülerfirma von Anfang an nachhaltig auszurichten und den Nachhaltigkeitsgedanken in der Firmenphilosophie zu verankern. Manchmal ist das in der Praxis aber nicht möglich. Wichtig ist es, den ersten Schritt zu machen, die Schülerfirma zu gründen und mit einer Geschäftsidee anzufangen. Dabei sollte jedoch der Nachhaltigkeitsaspekt nicht aus den Augen verloren werden. Die Schülerfirma sollte sich fortlaufend darum bemühen und hinterfragen, wie ökologisch und sozial verantwortungsvoll gewirtschaftet werden kann.

Nachhaltige Schülerfirmen in Unterricht und Schule

  • Wie können wir unsere Nachhaltige Schülerfirma in den Unterricht einbinden?
    Manchmal werden Schülerfirmen im Rahmen des Fachunterrichts und manchmal als Arbeitsgemeinschaften gegründet und betrieben. Oft werden sie in die Fächer Deutsch, Hauswirtschaft, Mathematik, Technik, Werken, Wirtschaft eingebunden. Je nach Tätigkeitsbereich bietet sich die Zusammenarbeit mehrerer Fächer an. Die Arbeit der Schülerfirma, die zum Beispiel aus alten Produkten neue herstellt, könnte in die Fächer Werken, Technik und Biologie eingebunden werden.
  • Welche Zeit muss ich als Lehrkraft für die Arbeit mit einer Schülerfirma aufbringen?
    Meist beträgt die Arbeitszeit, die eine Lehrkraft in die Schülerfirma einbringt drei bis vier Stunden pro Woche. Das hängt jedoch von der Arbeitsorganisation, aber auch von der inhaltlichen Ausrichtung der Schülerfirma ab. Es empfiehlt sich, die Schülerfirma nicht allein anzugehen, sondern im Team und am besten auch mit der Schulleitung. Mit dem Team und der Schulleitung sollten Synergieeffekte identifiziert werden, wie die Arbeit in der Schülerfirma im Unterricht eingebunden und abgedeckt werden kann.

Allgemeine rechtliche Fragen zu Nachhaltigen Schülerfirmen

  • Wer ist berechtigt, Verträge zu unterzeichnen?
    Da die Schule rechtlich nicht eigenständig ist, werden Verträge immer im Namen des Schulträgers, zum Beispiel dem Land, abgeschlossen. In einem Schulprojekt wie der Schülerfirma sollten die Verträge daher zwischen dem Schulträger und einem Dritten, zum Beispiel dem Lieferanten, unterzeichnet werden. Da die Schulleitung für den Schulträger zeichnungsberechtigt ist, übernimmt diese meist die Vertragsunterzeichnung. Der Schulleiter kann diese Verantwortung aber auch an den betreuenden Lehrer übergeben.
  • Besteht in Nachhaltigen Schülerfirmen eine Aufsichtspflicht?
    Es besteht, wie in anderen Unterrichtsstunden auch, sowohl für die minderjährigen als auch für die volljährigen Schülerinnen und Schüler Aufsichtspflicht, die von der Lehrkraft beziehungsweise den Lehrkräften geleistet werden muss. Die Person, die den Geschäftsbetrieb beaufsichtigt, muss die entsprechenden Rechtsvorschriften kennen.
  • Braucht eine Nachhaltige Schülerfirma AGB?
    Nein. Es ist auch nicht wirklich sinnvoll, einer Schülerfirma AGB zu geben, da gerade in dem Bereich sehr viele Fallstricke lauern.
  • Müssen Nachhaltige Schülerfirmen ins Handelsregister eingetragen werden?
    Nein, da die Schülerfirma ein Schulprojekt ist und keine eigene Rechtsform, sondern lediglich eine Schüler-Rechtsform vorliegt.
  • Müssen wir unsere Nachhaltige Schülerfirma beim Gewerbeamt anmelden?
    Die Schülerfirma muss nicht beim Gewerbeamt angemeldet werden (vgl. § 6 GewO). Aus Gründen der Transparenz gegenüber anderen Unternehmen ist es aber trotzdem sinnvoll, die Industrie- und Handelskammer (IHK) beziehungsweise die Handwerkskammer (HWK) über die Existenz der Schülerfirma zu informieren.

Rechtsformen Nachhaltiger Schülerfirmen

  • Muss eine Schülerfirma unbedingt eine Rechtsform haben?
    Nein. Die Schülerfirma muss nicht unbedingt eine Rechtsform haben. Ohne Rechtsform ist diese ein einfaches Schulprojekt. Voraussetzung ist aber, dass die Schülerfirma nachprüfbar durch die Schulleitung oder die Gesamtkonferenz als Schulprojekt anerkannt ist.
  • Welche Vor‐ und Nachteile haben die einzelnen Rechtsformen?
    Schüler-GbR (S-GbR): Der Vorteil ist, dass eine GbR einfach zu gründen ist, selbst in der abgemilderten Schülerrechtsform. Nachteil ist, dass tatsächlich nur Schülerinnen und Schüler teilnehmen dürfen.
    Schüler-GmbH (S-GmbH): Vorteil ist, dass eine komplexere Rechtsform gelernt wird. Es wird Kapital mit eingebracht und es wird gelernt, dass die Haftung beschränkt werden kann. Der Nachteil ist, dass die Gründung etwas aufwendiger ist.
    Schüler-Aktiengesellschaft (S-AG): Vorteil ist, dass eine komplexere Rechtsform gelernt wird, Kapital auch von Mitschülerinnen und -schülern, Eltern und Lehrkräften aufgebracht werden kann und sehr viele Schülerinnen und Schüler teilnehmen können, da es einen Vorstand, einen Aufsichtsrat und die Geschäftsführung gibt.
    Schüler-Genossenschaft (S-Gen): Die Schüler-Genossenschaft ist besonders für Nachhaltige Schülerfirmen interessant, da sie viele Partizipationsmöglichkeiten bietet. Im Vordergrund stehen demokratische Entscheidungsfindung, Solidarität und gleichberechtigte Förderung aller Mitglieder. Es gibt zudem bereits viele Informationen und Unterstützung zu dieser Rechtsform (www.schuelergenossenschaften.de). Nachteil: Die Gründung und Formulierung der Satzung, welche für diese Rechtsform notwendig ist, erfordern recht viel Arbeit.
  • Gibt es eine Rechtsform, die zum Start einer Nachhaltigen Schülerfirma empfohlen werden kann?
    Empfohlen werden kann eine Schüler‐GbR oder eine Schüler‐GmbH, je nachdem, wie viele Schülerinnen und Schüler partizipieren und auf welchem Level sie sind. Für eine Nachhaltige Schülerfirma empfiehlt sich eine Schüler‐Genossenschaft. Unterschiede zum Start gibt es keine aus rechtlicher Sicht.

Versicherung Nachhaltiger Schülerfirmen

  • Sind die Mitglieder einer Nachhaltigen Schülerfirma unfallversichert?
    Grundsätzlich gelten für Schülerfirmen die Bestimmungen zum Arbeits- und Unfallschutz. Die Schülerinnen und Schüler sind als Teilnehmer des Schulprojekts Schülerfirma genauso wie während des Unterrichts unfallversichert. Das gilt auch, wenn sie mit Wissen der Lehrkräfte außerhalb des Schulgeländes für die Schülerfirma unterwegs sind. Der Abschluss von privaten Versicherungen ist grundsätzlich nicht notwendig.
  • Muss für Nachhaltige Schülerfirmen eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden?
    Wenn die Schülerinnen und Schüler bei ihren Tätigkeiten anderen einen Schaden zufügen, haftet grundsätzlich die Schülerfirma dafür. Diese ist jedoch nicht Träger von Rechten und Pflichten, sondern die Schule. Normalerweise hat die Schule eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Vor dem Start der Schülerfirma sollte aber unbedingt nachgefragt werden, ob auch Schülerfirmen durch die Versicherung abgedeckt sind.
  • Inwiefern haftet die Nachhaltige Schülerfirma für die Produkte, die sie anbietet?
    Entsteht durch ein Produkt der Schülerfirma beim normalen Gebrauch ein Schaden, haftet die Schülerfirma dafür. Dies gilt auch bei Produkten der Schülerfirma, die von dieser umetikettiert wurden oder bei denen vorgefertigte Teile eingebaut wurden. Es besteht zudem eine Haftung für Gesundheits- und Sachschäden. Weitere Informationen können dem Produkthaftungegesetz (Gesetz über die Haftung für fehlerhafte Produkte – ProdHaftG) entnommen werden.

Steuern und Sozialabgaben in Nachhaltigen Schülerfirmen

  • Müssen Nachhaltige Schülerfirmen Sozialabgaben zahlen?
    Wenn Löhne gezahlt werden, fallen auch Sozialabgaben an. Man kann die Schülerinnen und Schüler als Minijobber bei der Minijob‐Zentrale anmelden und dort die Sozialversicherungen abgeben.
  • Sind Nachhaltige Schülerfirmen steuerpflichtig?
    Für Schülerfirmen in Trägerschaft der Schule gelten die steuerlichen Regelungen über die sogenannten Betriebe gewerblicher Art (§ 4 KStG – Körperschaftssteuergesetz). Bei Schülerfirmen in Trägerschaft eines Fördervereins gelten hingegen die steuerlichen Regelungen für Vereine, hier insbesondere die Regelungen zur Gemeinnützigkeit (§§ 51–68 AO – Abgabenordnung). Allgemein sollte stets beachtet werden, dass die konsequente Kommunikation zwischen der Schülerfirma und dem Träger (Förderverein oder Schulträger) hinsichtlich der finanziellen Lage sowie eine Übersicht über die Finanzen dazu führen sollten, dass die Geringfügigkeitsgrenzen eingehalten werden und keine Steuern gezahlt werden müssen. Dies wird insbesondere durch eine ordentliche Buchführung seitens der Schülerfirmen nachgewiesen.

Einnahmen und Gewinne Nachhaltiger Schülerfirmen

  • Wie verwenden wir die Gewinne unserer Nachhaltigen Schülerfirma?
    Grundsätzlich stehen die Gewinne der Nachhaltigen Schülerfirma immer dem Schulträger zu, wobei die Schülerinnen und Schüler über die Verwendung der Gewinne mitentscheiden. Die Gewinne können in die Schülerfirma selbst, also in Reinvestitionen, Schulungen, Betriebsausflüge und so weiter gesteckt, als Dividenden ausgeschüttet oder gespendet werden. Wird die Schülerfirma durch einen Förderverein getragen, dürfen die Gewinne nur für Schülerfirmenzwecke verwendet werden.
  • Wie liegen die Gewinnschwellen bei gemeinnützigen Schulfördervereinen?
    Bei gemeinnützigen Schulfördervereinen unterscheidet man nach Einkunftsarten: Ist der Schulförderverein mit der Schülerfirma im rein ideellen Bereich tätig, gibt es in der Tat keine Umsatz‐ und Gewinngrenzen. Ist der Schulförderverein mit der Schülerfirma als Zweckbetrieb tätig, dann fällt keine Umsatzsteuer bis zu einem Umsatz von 17.500 Euro an und keine Gewerbe‐ und Körperschaftssteuer bei einem Umsatz bis 35.000 Euro. Der (Gesamt‐) Gewinn muss unter 5.000 Euro liegen, da sonst Körperschaftssteuer für den Verein anfällt. Die Gemeinnützigkeit hängt nicht an den Umsatzgrenzen.

Marketing und Öffentlichkeitsarbeit Nachhaltiger Schülerfirmen

  • Wie finden wir heraus, ob Name, Design, Corporate Identity und URL unserer NaSch schon vergeben sind?
    Über das Deutsche Patent‐ und Markenamt. Dort gibt es ein Register für Marken (Namen und Logos) und für Geschmacksmuster (Design eines Produktes), in dem man kostenlos recherchieren kann. Ob eine URL schon vergeben ist, findet man zum Beispiel über denic.de heraus.
  • Was sind die Konsequenzen von Markenverletzungen?
    Es kann passieren, dass die Schülerfirma eine Abmahnung von dem Anwalt erhält, der den Markeninhaber vertritt. Das Schreiben enthält die Aufforderung, eine Unterlassungs-und Verpflichtungserklärung abzugeben sowie Anwaltskosten und Schadenersatz zu bezahlen. Für eine einzige Abmahnung werden dann oft schon mehrere tausend Euro fällig.
  • Können Fotos von Schülerinnen und Schülern bei der Arbeit frei verwendet werden, zum Beispiel in Präsentationen?
    Schülerinnen und Schüler, die Fotos selbst machen, behalten immer das Urheberrecht daran. (§ 7 UrhG). Alle Schülerinnen und Schüler, die auf diesen Fotos zu sehen sind, müssen schriftlich ihr Einverständnis erklärt haben. Sind diese noch minderjährig, wird zusätzlich auch die Einverständniserklärung von den Eltern benötigt.
 
 
 
Hinweis

Die rechtlichen Fragen wurden in Zusammenarbeit mit Frau Claudia Niesert erarbeitet. Bitte beachten Sie, dass der Stand von 2011 ist. Den ausführlichen Fragenkatalog von Frau Niesert finden Sie im geschlossenen Bereich der Materialbörse.